Hochwasser- und Dürreschutzkonzept

Ein anderer Umgang mit Wasser, Boden und Wald
Dürre, Hitze, Ernteausfälle, Brände und Wasserknappheit sind die Themen, die viele Menschen in Europa gerade belasten und bewegen. Dabei wird überdeutlich, dass wir Klima-Anpassungs-Maßnahmen benötigen.
Dazu sollte an erster Stelle ein anderer Umgang mit Wasser, Boden und Wald gehören. Unsere Landschaften werden seit mehr als 200 Jahren dahingehend gestaltet, Wasser so schnell wie möglich herauszuleiten. Die Folge sind verschärfte Dürre- und Hochwassersituationen sowie eine zu geringe Grundwasserneubildung und damit eine verschärfte Trinkwasserproblematik. Gleichzeitig beeinflusst dies die Klimaproblematik negativ und beschleunigt das Artensterben.
Wie ein anderer Umgang mit Wasser, Boden und Wald uns hilft, den großen Problemen unserer Zeit – Klimakrise, Dürre- und Hitzewellen, Hochwasser und Artenschwund – ganzheitlich zu begegnen, versuche ich seit zehn Jahren in meinen Vorträgen aufzuzeigen.
Vieles, was wir in Hitzeperioden erleben, ist nicht nur auf den CO2-getriebenen Klimawandel zurückzuführen, sondern vor allem auf unseren Umgang mit Wasser, Boden und Wald. Prof. em. Karl Auerswald hat dazu den Begriff „Landnutzungsgetriebener Klimawandel“ geprägt.
Dazu gehören die Bodenversiegelung, die Bodenverdichtung durch immer schwerere Maschinen und die Schädigung und Auslaugung unserer Böden. Dadurch können diese immer weniger Wasser speichern, was zur geringeren Grundwasserneubildung und zur verschärften Trinkwasserproblematik beiträgt. Ebenso zählt die Ausdünnung unserer Wälder dazu; deshalb sind z. B. Windräder in Wäldern meines Erachtens kontraproduktiv, da sie u. a. zur Austrocknung beitragen. Maßgebend ist auch unser Umgang mit Wasser in der Fläche. Dieses wird durch Drainagen und nicht ständig wasserführenden Gräben – etwa an der Seite von Wegen und Straßen – viel zu schnell aus der Landschaft abgeleitet. Dies erzeugt dann in der Summe immer mehr Hochwasser- und Dürreprobleme.
Es gibt nach meiner Auffassung mindestens acht Möglichkeiten von Klimaanpassungsmaßnahmen, die mehr oder weniger schnell umsetzbar sind:
1. Den Wasserabfluss in der Landschaft entschleunigen und zurückhalten.
2. Schaffung von zusätzlichen Feuchtflächen in der Landschaft und Renaturierung von Mooren durch das „Kubaturen-Konzept Koch“; die reinen Wiedervernässungsprojekte sind weitestgehend gescheitert (es fehlt der ganzjährige Wasserüberschuss).
3. Weniger Versiegelung und mehr Entsiegelung von Flächen, Beachtung des Erhitzungspotentials von Materialien (Albedo-Rückstrahlung) und angepasste Baumaßnahmen. Warum müssen z. B. Parkplätze geteert sein?
4. Begrünung von Dächern, Alleen und Fassaden.
5. Durchgehende Bodenbedeckung mit Pflanzen und Stroh.
6. Mehr Hecken, Bäume und Wälder.
7. Regenerativer, ökologischer Landbau (aufbauende Landwirtschaft).
8. Humusaufbau in der Landwirtschaft und in unseren Gärten: 1 % Humusaufbau weltweit auf den landwirtschaftlichen Flächen und in Gärten – da sind sich alle einig, vom UN-Klimarat I P C C bis zur Welternährungsorganisation F A O –, dann wären wir wirklich klimaneutral und das CO2-Problem gelöst.

Wasserwirte braucht das Land
Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde und das wichtigste Element für unser Ökosystem. Unsere Landschaften wurden seit mehr als 200 Jahren dahingehend gestaltet, Wasser so schnell wie möglich herauszuleiten. Die Folge sind verschärfte Dürre- und Hochwasser-Situationen, eine zu geringe Grundwasserneubildung und damit eine verschärfte Trinkwasserproblematik. Gleichzeitig beeinflusst dies die Klimaproblematik negativ und beschleunigt das Artensterben.
Einen absoluten Schutz vor Hochwasser gibt es nicht. Mit herkömmlichen Mitteln und Denkweisen, so die Überzeugung von uns Ö D P-Fachleuten, die 2021 unser Hochwasser- und Dürreschutzpapier erstellten, können wir jedoch den Bedrohungslagen Starkregen und Hochwasser nicht mehr Herr werden. Dort, wo der erste Regentropfen auf den Boden auftritt, soll gedanklich der Hochwasserschutz beginnen und damit automatisch der Dürreschutz. Der Dürreschutz ist dabei nicht separat zu betrachten, sondern nur die andere Seite derselben Medaille.
Das Konzept sieht deshalb eine Vernetzung von Boden, Wasser, Moor, Kleingehölz, Auen und Wald zu „wasserhaltenden Landschaften“ vor. Naturnaher Hochwasser- und Dürreschutz ist damit direkter Klimaschutz, da er durch die Vernetzung der verschiedenen Bereiche die Aufnahmefähigkeit des Bodens für Wasser erhöht und somit Kleinklimazonen schafft, die die Biodiversität und damit auch die Kohlenstoff-Aufnahme des ganzen Ökosystems erhöht und damit zur CO2-Reduktion beiträgt.
Es geht letztlich darum, einen Ausgleich zwischen zu viel und zu wenig Wasser in unseren Breitengraden zu finden. Der humushaltige Boden ist für uns dabei der wichtigste Wasserspeicher, den es zu schützen und aufzubauen gilt. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht sofort zum Abfluss kommt, entlastet bei Hochwasser und ist gleichzeitig ein Gewinn für den Natur- und Wasserhaushalt bei Trockenwetterperioden und Hitzewellen.
Eines der grundlegenden, neuen Konzepte, die die Ö D P in ihrem Papier vorstellt, ist das „Kubaturen-Konzept K O C H“ von Dr. Erich Koch. Es erhöht das Wasserrückhaltevermögen in der Landschaft und vernetzt die Kleingewässer, die nicht ständig wasserführenden Gräben, Bodensenken, Mulden und Beckenkaskaden zu einem durchgängigen Retentionsnetz. Es verbindet Hochwasser- und Dürreschutz und stärkt damit die Biodiversität.
Landwirte sind für die Umsetzung des naturnahen Hochwasser- und Dürreschutzes, nach unserer Überzeugung die wichtigsten Partner. Die Vergütung soll für die Landwirte, die für uns auch „Wasserwirte“ sind, durch langfristige Verträge so hoch sein, dass sie ein großes Interesse an der Umsetzung auf der eigenen Fläche haben.
Der naturnahe, dezentrale und integrative Hochwasser- und Dürreschutz würde unser Landschaftsbild positiv verändern, Artenschutz fördern, Kleinklimazonen schaffen und damit zu den wichtigsten Klima-Anpassungsmaßnahmen beitragen. Unsere Böden und Wälder könnten somit wieder zum wichtigsten Faktor bei der Klimaheilung werden.
